Vom Aufgang der Sonne...

Vom Aufgang der Sonne  bis zu ihrem Niedergang sei gelobet der Name des Herrn

 

Der Lauf der Sonne umspannt unseren Tagesablauf. Die Sonne, die jeden Morgen wieder aufgeht, zieht sich am Ende des Tages zurück und ist auch dann da, wenn wir sie nicht mehr sehen. Ohne unser Zutun empfangen wir jeden Tag aufs neue Gottes Schöpfung. Wir beginnen den Tag  unter Gottes Schutz und geben ihn am Abend wieder in seine Hand, damit wir behütet schlafen können.

Ich verbinde mit diesem Kanon ein Bild: ein Bogen, der den Tag umspannt. Alleine die Form des Bogens hat etwas Beschützendes in sich. Darunter sehe ich den Tag in seiner Vielfältigkeit– mit seinen Regelmäßigkeiten wie Mahlzeiten, Arbeits- und Ruhezeiten. Die immer wiederkehrenden Fixpunkte im Tagesablauf geben uns einen Rahmen,  Halt und lassen uns oft ein wenig zur Ruhe kommen. Unter dem Bogen liegen auch Freude und Glück – über liebe Post, ein gutes Gespräch, eine Idee, die uns weiterbringt, ein Telefonat, das wir schon länger erwartet haben, gute Schulnoten unserer Kinder oder auch nur die vielen kleinen Glücksmomente, die uns ein Lächeln in unser Gesicht zaubern lassen. Wir alle kennen aber auch die dunklen Stunden mitten am hellen Tag unter der Wärme der Sonne. Eine Krankheit, plötzliche Geldsorgen, vielleicht eine unvorhergesehene Arbeitslosigkeit, Streit, Missverständnisse, Sorgen um unsere Kinder. Da scheint es, als wolle die Sonne am Tag untergehen, da sehen und spüren wir erst einmal gar nichts von Geborgenheit und Schutz. Aber unter dem beschützenden Bogen gibt uns Gott Kraft, auch dunkle Stunden zu meistern. Wie einen warmen Sonnenstrahl spüren wir immer wieder Gottes Gnade. Der gläubige Mensch lernt, sich darauf zu verlassen.

Seit vielen Wochen leben wir mit dem Coronavirus, müssen Entbehrungen mit Kontakten zu lieben Menschen in Kauf nehmen. Alle sind auf nötiger Distanz, aber es fehlt uns, Gefühle auch in einer Umarmung zu zeigen. Kraft können wir nur schöpfen, wenn wir auf Gott vertrauen. Wir werden aber auch sensibler für kleine distanzierte Freundlichkeiten, die wir trotz allem erleben.

 

Vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Niedergang sei gelobet der Name des Herrn. Unter diesem Bogen sind wir von Gott, der weder Anfang noch Ende hat, vom  Morgen bis zum Abend, von der Geburt bis zum Tod und darüber hinaus beschützt. Mit dieser Kraft und diesem Trost können wir leben, und dafür wollen wir Gott immer wieder loben und danken.

 

Margret Richling/Mitglied im Kirchenvorstand